Blei in NE-Metallen: Was CLP, RoHS, ELV, REACH und die Trinkwasserregeln verlangen
Blei ist in der Metallverarbeitung seit Jahrzehnten ein technisch nützliches Element. Es macht Späne kurz, senkt Schnittkräfte und schont Werkzeuge. Genau deshalb steckt es in den meisten Automatenwerkstoffen – in Messing wie CuZn39Pb3 (CW614N) mit rund 3 %, in Aluminium-Automatenlegierungen wie EN AW-2007 mit bis zu 1,5 %.
Gleichzeitig steht Blei seit Jahren unter regulatorischem Druck, und dieser Druck hat sich zwischen 2024 und 2026 deutlich erhöht. Es geht dabei nicht um ein einzelnes Verbot, sondern um fünf Regelwerke, die unterschiedliche Fragen stellen und unterschiedliche Fristen setzen. Wer nur eines davon im Blick hat, übersieht typischerweise das, was ihn tatsächlich trifft.
Diese Seite ordnet die fünf Regelwerke, nennt die Termine und zeigt, welche Werkstoffe betroffen sind – für Aluminium ebenso wie für Messing und Kupferlegierungen.
Die Termine im Überblick
| Datum | Was passiert | Betrifft |
|---|---|---|
| 01.09.2025 | Neue CLP-Einstufung für Blei (Delegierte Verordnung (EU) 2024/197) ist verbindlich anzuwenden | alle bleihaltigen Legierungen als Gemisch |
| 01.07.2026 | Neu gefasste RoHS-Ausnahmen der Serie 6 anwendbar (Delegierte Richtlinie (EU) 2025/2364) | Elektro- und Elektronikgeräte |
| 11.12.2026 | RoHS-Basiseintrag 6(a) (Blei in Stahl) läuft aus | Stahl, mittelbar Baugruppen |
| 31.12.2026 | Europäische Positivlisten für Werkstoffe im Trinkwasserkontakt gelten (Durchführungsbeschluss (EU) 2024/367) | Messing, Rotguss, Kupfer |
| 11.06.2027 | RoHS-Basiseintrag 6(b) (Blei in Aluminium bis 0,4 %) läuft aus; danach greifen nur noch enger gefasste Untereinträge | Aluminium-Automatenlegierungen |
| 30.06.2027 | RoHS-Ausnahme 6(c) (Kupferlegierungen mit bis zu 4 % Blei) läuft aus; ein Verlängerungsantrag liegt vor | Automatenmessing |
| 01.01.2028 | Altfahrzeug-Ausnahme für Aluminium-Zerspanungslegierungen mit bis zu 0,4 % Blei endet für neu typgenehmigte Fahrzeuge | Automotive |
| 12.01.2028 | In Deutschland gilt der Bleigrenzwert von 5 µg/l im Trinkwasser | Trinkwasserarmaturen, Fittings |
| 12.01.2036 | EU-weit 5 µg/l Blei im Trinkwasser | Trinkwasseranwendungen |
Stand: August 2026. Bei RoHS-Ausnahmen gilt: Solange ein fristgerechter Verlängerungsantrag anhängig ist, bleibt die Ausnahme bis zur Entscheidung der Kommission wirksam. Prüfen Sie vor einer Investitionsentscheidung den aktuellen Stand.
1. CLP: Wie Blei eingestuft ist
Die CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 regelt Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen. Die Delegierte Verordnung (EU) 2024/197 vom 5. Januar 2024 hat die Blei-Einträge neu gefasst und dabei erstmals nach Partikelgröße unterschieden:
| Eintrag | Definition | Einstufung |
|---|---|---|
| Blei, Pulver | Partikeldurchmesser < 1 mm | Repr. 1A (H360FD), Lact. (H362), gewässergefährdend; spezifischer Konzentrationsgrenzwert 0,03 % für H360D |
| Blei, massiv | Partikeldurchmesser ≥ 1 mm | Repr. 1A (H360FD), Lact. (H362), chronisch gewässergefährdend |
Anwendbar seit dem 1. September 2025.
Was das für Legierungen bedeutet. Legierungen sind unter CLP Gemische und damit grundsätzlich einstufungspflichtig. Für die Einstufung Repr. 1A gilt die generische Konzentrationsgrenze von 0,3 %. Rein rechnerisch liegt damit jedes Automatenmessing mit 2 bis 3 % Blei und jede Aluminium-Automatenlegierung mit 0,8 bis 1,5 % Blei darüber.
Gleichzeitig sieht CLP in Anhang I Abschnitt 1.3.4 eine Sonderregelung für Metalle in kompakter Form und für Legierungen vor: Wenn in der in Verkehr gebrachten Form keine entsprechende Gefahr besteht, ist eine Kennzeichnung nicht erforderlich; die Information erfolgt über das Sicherheitsdatenblatt. Ob diese Regelung im Einzelfall greift, hängt von Daten ab – etwa dazu, in welchem Maß sich Blei aus der massiven Legierung überhaupt löst.
Konkret für unser Aluminiumprogramm: Unser Partner Eural Gnutti hat in einem unabhängigen, akkreditierten Labor prüfen lassen, wie sich die Legierungen Eural 2007, Eural 2011 und Eural 6064A unter den Kriterien der neuen Einstufung verhalten. Das Ergebnis dieser Prüfung ist, dass für diese Werkstoffe keine verschärften Einstufungspflichten ausgelöst werden. Wichtig ist dabei die richtige Lesart: Das ist ein Prüfergebnis für diese Legierungen, kein allgemeiner Freibrief für „massives Aluminium“. Wenn Sie die Prüfberichte für Ihre eigene Dokumentation benötigen, fordern Sie sie bei uns an.
Was ohnehin gilt: Für bleihaltige Halbzeuge und Legierungen ist ein Sicherheitsdatenblatt bereitzustellen. Innerbetrieblich greift zusätzlich die TRGS 201. Späne, Krätze und Schleifstäube aus bleihaltigen Werkstoffen können abfallrechtlich anders einzustufen sein als das Halbzeug selbst – hier lohnt der Blick auf die tatsächliche Partikelgröße.
2. RoHS: Elektro- und Elektronikgeräte
Die RoHS-Richtlinie 2011/65/EU begrenzt Blei auf 0,1 Gewichtsprozent im homogenen Werkstoff. Weil dieser Wert für Automatenwerkstoffe technisch lange nicht erreichbar war, enthält Anhang III seit jeher Ausnahmen. Diese Ausnahmen wurden mit der Delegierten Richtlinie (EU) 2025/2364 vom 8. September 2025 neu geordnet; anwendbar seit dem 1. Juli 2026.
| Ausnahme | Inhalt | Ablauf |
|---|---|---|
| 6(a) | Blei in Stahl für Zerspanungszwecke, bis 0,35 % | 11.12.2026 |
| 6(a)-I / 6(a)-II | enger gefasste Nachfolger (Zerspanungsstahl bzw. stückverzinkte Bauteile) | 30.06.2027 |
| 6(b) | Blei als Legierungselement in Aluminium, bis 0,4 % | 11.06.2027 |
| 6(b)-I | Aluminium mit bis zu 0,4 % Blei aus Schrottrecycling | gestaffelt bis 30.06.2027 |
| 6(b)-II | Aluminium für Zerspanungszwecke mit bis zu 0,4 % Blei | gestaffelt bis 30.06.2027 |
| 6(b)-III | Aluminium-Gusslegierungen bis 0,3 % Blei aus Recycling | 30.06.2027 |
| 6(c) | Kupferlegierungen mit bis zu 4 % Blei | 30.06.2027, Verlängerungsantrag liegt vor |
Für die Praxis bedeutet die Neuordnung vor allem eines: Ab Ende 2026 beziehungsweise Mitte 2027 reicht es nicht mehr, „Blei unter 0,4 %“ zu belegen. Sie müssen künftig auch begründen können, warum das Blei enthalten ist – als Zerspanungszusatz oder als Recyclinganteil. Das ist eine Dokumentationsanforderung an die Lieferkette, die heute in vielen Fällen noch nicht abgebildet ist.
Ausnahme 6(c) ist für den Messingbereich die entscheidende Regel. Sie erlaubt bis zu 4 % Blei und deckt damit CuZn39Pb3 und CuZn40Pb2 vollständig ab. Ein Verlängerungsantrag wurde gestellt; solange über ihn nicht entschieden ist, bleibt die Ausnahme wirksam. Wer heute ein Produkt entwickelt, das 2029 in Serie geht, sollte dennoch nicht darauf setzen.
3. Altfahrzeuge: ELV
Für Fahrzeuge gilt bislang die Altfahrzeug-Richtlinie 2000/53/EG mit einem eigenen Ausnahmenkatalog in Anhang II. Zwei Einträge sind für NE-Werkstoffe maßgeblich:
- Kupferlegierungen mit bis zu 4 % Blei – bisher unbefristet, mit vorgesehener Überprüfung
- Aluminium-Zerspanungslegierungen mit bis zu 0,4 % Blei – begrenzt auf Fahrzeuge mit Typgenehmigung vor dem 1. Januar 2028 und deren Ersatzteile
Der zweite Punkt ist der schärfste Termin für Automatenaluminium im Automotive-Umfeld. Wer heute an einem Fahrzeugprojekt arbeitet, dessen Typgenehmigung 2028 oder später erfolgt, muss für bleihaltige Aluminium-Automatenlegierungen eine Alternative vorsehen.
Im Sommer 2026 ist zudem die neue EU-Verordnung über die Kreislauffähigkeit von Fahrzeugen in Kraft getreten, die die Altfahrzeug-Richtlinie ablöst. Sie führt gestaffelte Rezyklatquoten ein – zunächst für Kunststoffe, für Stahl und Aluminium sollen die Quoten über delegierte Rechtsakte folgen. Die Stoffbeschränkungen für Blei, Quecksilber, Cadmium und Chrom(VI) werden dabei fortgeführt. Für den Materialeinkauf sind zwei Punkte relevant: erstens die Frage, wie die bisherigen Ausnahmen überführt werden, zweitens die absehbar steigende Nachfrage nach dokumentiertem Rezyklatanteil. Wir beobachten beides und aktualisieren diese Seite entsprechend.
4. REACH: Die Pflicht, die viele übersehen
REACH setzt für Blei in Legierungen keinen Grenzwert. Es knüpft aber Pflichten an einen Schwellenwert – und diese Pflichten treffen jeden, der bleihaltige Halbzeuge weitergibt oder verarbeitet.
Metallisches Blei steht seit dem 27. Juni 2018 auf der Kandidatenliste der besonders besorgniserregenden Stoffe (SVHC), Grund: fortpflanzungsgefährdend. Daraus folgt für Erzeugnisse mit mehr als 0,1 Gewichtsprozent Blei im Erzeugnis:
- Informationspflicht nach Artikel 33 gegenüber gewerblichen Abnehmern – unaufgefordert, mindestens mit Stoffname und Angaben zur sicheren Verwendung
- Meldung in die SCIP-Datenbank der ECHA
- Notifizierungspflicht nach Artikel 7 Absatz 2 bei mehr als einer Tonne pro Jahr und Überschreitung der 0,1-Prozent-Schwelle
Praktisch heißt das: Jede Stange CuZn39Pb3, jedes Sechskantprofil aus CuZn40Pb2 und jede bleihaltige Aluminium-Automatenlegierung fällt darunter. Eine CLP-Kennzeichnung ist für Erzeugnisse nicht erforderlich – die Informationspflicht besteht trotzdem.
Blei ist nicht in Anhang XIV (Zulassung) aufgenommen; die Kommission hat 2024 erklärt, dies nicht zu beabsichtigen. In Anhang XVII bestehen Beschränkungen mit Bezug zu Verbraucherprodukten, insbesondere Eintrag 63 (Schmuck, Erzeugnisse für Kinder). Für die Abgabe CMR-eingestufter Gemische an private Endverbraucher gelten eigene Regeln.
5. Trinkwasser: Der schärfste Filter für Messing
Für Anwendungen mit Trinkwasserkontakt ist der Zeitplan am konkretesten. Die EU-Trinkwasserrichtlinie (EU) 2020/2184 hat europäische Positivlisten für Werkstoffe eingeführt; der Durchführungsbeschluss (EU) 2024/367 gilt ab dem 31. Dezember 2026. National zugelassene Werkstoffe dürfen unter Bedingungen bis längstens 2032 weiterverwendet werden.
Entscheidend ist der Grenzwert am Zapfhahn: Die EU senkt ihn zum 12. Januar 2036 von 10 auf 5 µg/l. Deutschland setzt die 5 µg/l bereits zum 12. Januar 2028 um. Das ist der Termin, der in der Sanitär- und Armaturenbranche die Werkstoffwahl bestimmt.
Praktische Folge: Bleihaltiges Automatenmessing wie CuZn39Pb3 ist für Trinkwasseranwendungen ein Auslaufmodell. Für diese Anwendungen werden bleiarme und bleifreie Werkstoffe zum Standard:
| Werkstoff | Kurzzeichen | Charakter | Typische Anwendung |
|---|---|---|---|
| CW724R | CuZn21Si3P | Siliziummessing, hohe Festigkeit, entzinkungsbeständig, gut warmumformbar | Armaturen, Fittings, hochbelastete Dreh- und Schmiedeteile |
| CW728R | CuZn40SiP | phosphor- und siliziummikrolegiert, gut zerspanbar, nicht entzinkungsbeständig, keine EN-Produktnorm | Drehteile als direkter Ersatz für CW614N und CW617N |
| CW511L | CuZn38As | α-Messing, sehr gut kaltumformbar, entzinkungsbeständig | Pressfittings, Rohrverbinder, Ziehteile |
| CW510L | CuZn42 | bleiarm, sehr gut warmumformbar | Schmiederohlinge, Strangpressteile |
| CW509L | CuZn40 | bleiarm, ausgezeichnet warmumformbar, DW-Variante enger auf Kupfer eingegrenzt | Gesenkschmiedeteile, Profile, Armaturenkörper |
| CW508L | CuZn37 | α-Messing, bester Kaltumformwerkstoff, schlecht zerspanbar | Stanz-, Zieh- und Federteile, Steckverbinder |
Beachten Sie: CW724R und CW510L lassen sich deutlich schlechter zerspanen als CW614N. Der Umstieg ist keine reine Materialentscheidung, sondern ein Fertigungsprojekt. Welche Legierung zu welcher Anwendung passt, behandelt der Beitrag CuZn39Pb3 ersetzen; was der Wechsel in der Zerspanung bedeutet, steht in Zerspanbarkeit von Messing im Vergleich.
Werkstoffübersicht: Wer ist wie betroffen?
| Werkstoff | Bleigehalt | RoHS | ELV | REACH Art. 33 | Trinkwasser |
|---|---|---|---|---|---|
| CuZn39Pb3 (CW614N) | 2,5–3,5 % | nur über Ausnahme 6(c) | nur über Anhang-II-Ausnahme | ja | nur Gruppen C und D |
| CuZn40Pb2 (CW617N) | ca. 2 % | nur über Ausnahme 6(c) | nur über Anhang-II-Ausnahme | ja | nein |
| CuZn38Pb2 (CW608N) | 1,6–2,5 % | nur über Ausnahme 6(c) | nur über Anhang-II-Ausnahme | ja | nein |
| CuZn40SiP (CW728R) | ≤ 0,1 % | konform | konform | nein | ja, Gruppen B–D |
| CuZn40 (CW509L) | ≤ 0,1 % | konform | konform | nein | ja, Gruppen B–D |
| CuZn37 (CW508L) | ≤ 0,1 % | konform | konform | nein | ja, Gruppen B–D |
| CuZn21Si3P (CW724R) | ≤ 0,1 % | konform | konform | nein | ja |
| CuZn38As (CW511L) | sehr gering | konform | konform | nein | ja |
| CuZn42 (CW510L) | ≤ 0,2 % | prüfen | konform | grenzwertnah, prüfen | ja |
| EN AW-2007 | 0,80–1,00 % | nur über Ausnahme 6(b) | Ausnahme endet 01.01.2028 | ja | nicht relevant |
| EN AW-2011 | 0,2–0,6 % | nur über Ausnahme 6(b) | Ausnahme endet 01.01.2028 | ja | nicht relevant |
| EN AW-6262 | ca. 0,4–0,7 % | nur über Ausnahme 6(b) | Ausnahme endet 01.01.2028 | ja | nicht relevant |
| EN AW-2033 | nicht zulegiert | konform | konform | nein | nicht relevant |
| EN AW-2077 | nicht zulegiert | konform | konform | nein | nicht relevant |
| EN AW-6026 LF | max. 0,10 % | konform | konform | nein | nicht relevant |
Angaben nach EN 573-3 beziehungsweise Werksangaben; im Einzelfall gilt das Werkszeugnis.
Was Sie jetzt konkret tun sollten
- Bestandsaufnahme. Welche bleihaltigen Werkstoffe setzen Sie ein, in welchen Bauteilen, für welche Endanwendung? Ohne diese Liste lässt sich keine Frist bewerten.
- Nach Endanwendung sortieren. Ein Bauteil im Maschinenbau ohne Elektro-, Fahrzeug- oder Trinkwasserbezug ist von RoHS, ELV und Trinkwasserrecht nicht betroffen. Die Informationspflicht nach REACH gilt trotzdem.
- Die kritischen 20 Prozent identifizieren. Erfahrungsgemäß betrifft der akute Handlungsdruck einen kleinen Teil des Sortiments: Automotive-Teile für Neutypgenehmigungen ab 2028 und Trinkwasseranwendungen bis Januar 2028.
- Alternativen früh bemustern. Zwischen Werkstofffreigabe und Serienstart liegen im Automotive-Umfeld mit Erstmusterprüfung und PPAP typischerweise sechs bis achtzehn Monate. Ein Umstieg, der 2028 wirken soll, beginnt 2026.
- Lieferkette einbinden. Klären Sie früh, welche Erklärungen Sie brauchen: Werkszeugnis 3.1, Angaben zur Bleiherkunft für die neuen RoHS-Untereinträge, Erklärungen zu SVHC und SCIP, gegebenenfalls IMDS-Einträge.
- Verfügbarkeit prüfen. Bleifreie Werkstoffe sind nicht überall lagerhaltig und haben teils andere Abmessungsraster. Das ist ein Beschaffungsthema, kein Konstruktionsthema – und es lässt sich lösen, wenn man früh anfängt.
Häufige Fragen
Darf ich CuZn39Pb3 überhaupt noch einsetzen?
Ja, in den meisten Anwendungen. Der Werkstoff ist in Elektro- und Elektronikgeräten über die RoHS-Ausnahme 6(c) und im Fahrzeugbereich über die ELV-Ausnahme abgedeckt, im allgemeinen Maschinenbau ohnehin. Nicht mehr geeignet ist er für Trinkwasseranwendungen in Deutschland ab Januar 2028.
Was ändert sich für mich als Verarbeiter durch die neue CLP-Einstufung?
In erster Linie Dokumentation und innerbetrieblicher Arbeitsschutz. Sie brauchen aktuelle Sicherheitsdatenblätter, sollten die Gefährdungsbeurteilung prüfen und die Einstufung von Spänen, Stäuben und Krätze überprüfen – Partikelgröße ist hier das entscheidende Kriterium.
Bin ich zur SCIP-Meldung verpflichtet, wenn ich bleihaltige Stangen zerspane?
Wenn Sie ein Erzeugnis in Verkehr bringen, das mehr als 0,1 % Blei enthält, ja. Die Meldepflicht trifft den Inverkehrbringer des Erzeugnisses, nicht nur den Halbzeughersteller.
Gibt es bleifreies Messing mit vergleichbarer Zerspanbarkeit wie CW614N?
Nicht mit gleicher. CuZn21Si3P erreicht je nach Quelle zwischen 60 und 90 % der Zerspanbarkeit von CW614N, klassische bleiarme Messinge wie CuZn37 liegen bei rund 35 %. Ein Umstieg erfordert in aller Regel Anpassungen an Schnittdaten, Werkzeugen und Spanabfuhr — Richtwerte und einen Umstellungsleitfaden finden Sie im Beitrag Zerspanbarkeit von Messing im Vergleich.
Bis wann gilt die RoHS-Ausnahme für Kupferlegierungen?
Nach aktuellem Stand bis zum 30. Juni 2027. Ein Verlängerungsantrag liegt vor; solange über ihn nicht entschieden ist, bleibt die Ausnahme wirksam.
Wie halte ich die Fristen im Blick?
Wir aktualisieren diese Seite mindestens jährlich und weisen das Datum aus. Wenn Sie für Ihre eigenen Werkstoffe eine Bewertung brauchen, sprechen Sie uns an – wir gleichen sie gemeinsam mit Ihrer Anwendung ab.
Werkstoffdatenblätter zum Download
Für die Bewertung Ihrer eigenen Werkstoffe hilft der Blick auf den tatsächlichen Bleigehalt. Die folgende Übersicht stellt die bleihaltigen Automatenlegierungen ihren bleiarmen und bleifreien Gegenstücken gegenüber — jeweils mit Datenblatt. Stand 08/2026.
| Werkstoff | Bleigehalt | Einordnung | Datenblatt |
|---|---|---|---|
| EN AW-2007 | 0,80–1,00 % | bleihaltig | |
| EN AW-2007C | max. 0,10 % | bleiarme Ausführung von 2007 | |
| EN AW-2011 | 0,20–0,40 % | bleihaltig | |
| EN AW-2011 LF | ohne Bleizusatz | bleifreie Ausführung von 2011 | |
| EN AW-2011 RoHS | RoHS-konform | RoHS-Ausführung von 2011 | |
| EN AW-2030 | 0,8–1,3 % | bleihaltig | |
| EN AW-2030 LF | ohne Bleizusatz | bleifreie Ausführung von 2030 | |
| EN AW-2033 | ohne Bleizusatz | bleifrei, ersetzt 2007/2011/2030 | |
| EN AW-2077 | ohne Bleizusatz | bleifrei, höhere Festigkeit | |
| EN AW-6012 | bis 1,00 % | bleihaltig | |
| EN AW-6026 | bleihaltig | Ausgangsausführung | |
| EN AW-6026 LF | max. 0,10 % | bleifreie Ausführung | |
| EN AW-6023 | max. 0,10 % | bleiarm, zinnbasiert | |
| EN AW-6064A | 0,20–0,40 % | bleihaltig, ELV- und RoHS-konform | |
| EN AW-6064LL | max. 0,1 % | bleiarme Ausführung von 6064 | |
| EN AW-6262A | ELV/RoHS-konform | bleifrei, ersetzt 6262 |
Die Prüfberichte zur CLP-Bewertung von Eural 2007, Eural 2011 und Eural 6064A stellen wir auf Anfrage für Ihre Dokumentation bereit. Die vollständige Liste aller Datenblätter unseres Aluminiumprogramms — einschließlich der Konstruktionslegierungen — finden Sie im Beitrag Bleifreie Aluminium-Automatenlegierungen. Datenblätter zu Messing, Kupfer, Bronze und Neusilber erhalten Sie auf Anfrage.
Fazit
Das Blei-Thema ist kein Stichtag, sondern eine Reihe von Fristen, die zwischen Ende 2026 und 2028 dicht aufeinanderfolgen. Der Handlungsdruck ist ungleich verteilt: Im allgemeinen Maschinenbau ist er gering, in der Trinkwasserarmatur und im Automotive-Neuprojekt ist er hoch und terminiert.
Wir führen sowohl die klassischen bleihaltigen Automatenwerkstoffe als auch die bleifreien Alternativen in Aluminium und Messing und beraten zur Umstellung – technisch wie beschaffungsseitig. Welche Legierungen bei bleifreiem Aluminium in Frage kommen, zeigt unser Beitrag Bleifreie Aluminium-Automatenlegierungen; wie sich Rückmaterial im geschlossenen Kreislauf halten lässt, beschreibt der Beitrag Umarbeitung von Messing. Für Anwendungen mit Lebensmittelkontakt siehe EN AW-6026LF im Lebensmittelkontakt. Branchenspezifische Anforderungen finden Sie unter Branchen.
Wenn Sie eine konkrete Anwendung bewerten wollen: Sprechen Sie uns an.
Stand: 18. August 2026. Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung. Rechtsgrundlagen: Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 in der Fassung der Delegierten Verordnung (EU) 2024/197; Richtlinie 2011/65/EU in der Fassung der Delegierten Richtlinie (EU) 2025/2364; Richtlinie 2000/53/EG und die 2026 in Kraft getretene EU-Verordnung über die Kreislauffähigkeit von Fahrzeugen; Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH); Richtlinie (EU) 2020/2184 und Durchführungsbeschluss (EU) 2024/367; Trinkwasserverordnung.